Die Region erleben: Authentisch, analog & digital
LTV-Fachveranstaltung für Touristinformationen mit dem Wichtigsten für die Branche
Metropolen, kleine Städte oder Landstriche haben einen eigenen Herzschlag, den Reisende spüren sollen. Und wer kann dazu besser beitragen als Touristinformationen (TI). Deshalb informierte der Landestourismusverband Sachsen e.V. (LTV SACHSEN) am 30. August 2022 im Rahmen der jährlich stattfindenden landesweiten Fachveranstaltung für sächsische Touristinformationen die Vertreter*innen der Branche darüber, welche aktuellen und zukünftigen Anforderungen Gäste an ihre Einrichtungen haben. 60 Teilnehmer*innen waren der Einladung ins hippe Leipzig gefolgt, um endlich wieder von Angesicht zu Angesicht zu netzwerken, zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen – und das unter der Überschrift „Die Region erleben – authentisch, analog, digital“.
Im Analogen UND Digitalen liegt der Schlüssel zum Erfolg
Begrüßung durch Mandy Eibenstein, Referentin Qualität, Innovation & Digitales

Mit den wichtigsten Neuigkeiten und Fakten aus dem Wirtschaftszweig Tourismus startete Mandy Eibenstein, Referentin Qualität, Innovation und Digitales vom LTV SACHSEN in den Tag. Nach den Millionenverlusten der vergangenen zwei Jahre nimmt der Tourismus in Sachsen endlich wieder Fahrt auf. Die TI als Schmelztiegel für digitale und analoge Angebote seien dabei mehr denn je gefragt. Gleichwohl bewarb sie die laufenden Kampagnen „Tourismustalente“ sowie „Tourismushelden“, welche mit Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus umgesetzt werden. Erstere will die Begeisterung von potentiellen Fachkräften für die Branche wecken, während letztere diejenigen wertschätzt, die bereits mit Herz und Seele ihren Job machen.
Die Qualitäts-Stars im Rampenlicht
Die Touristinformationen Reichenbach (Vogtland) sowie Waldheim wurden im Rahmen der Veranstaltung in der sächsischen Qualitätsfamilie begrüßt und mit der i-Marke des Deutschen Tourismusverband e.V. (DTV) ausgezeichnet. Zudem wurden neun sächsische TIs für ihre Rezertifizierung mit der DTV i-Marke geehrt:
- Bürger- und Tourismusservice Bischofswerda
- Kultur – und Tourismus Pulsnitz
- Touristinformation Bad Elster
- Tourist-Information Bad Muskau
- Tourist-Information Bautzen
- Tourist-Information Freiberg
- Tourist-Information Görlitz
- Touristinformation Meißen
- Tourist-Information Olbernhau
Hier finden Sie weitere Informationen zu den Qualitätsinitiativen
Darauf kommt es an: Authentisch die Region präsentieren
Rebecca Schwerdt, dwif-Consulting GmbH

Rebecca Schwerdt vom deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) gab den Teilnehmer*innen einen ausführlichen Überblick über die Marktentwicklung von TIs. Sie verwies auf die hohen Ansprüche der in diesen digitalen Zeiten bestens informierten Gäste. Premiumzielgruppe seien finanziell gut gestellte Paare, die auf Insidertipps Wert legen. Die Expertin unterstrich ihre Ausführungen mit den Worten: „Eine TI muss die Identität des Lebensraumes sowohl in analogen also auch digitalen Angeboten widerspiegeln. Sie muss modern und vernetzt sein, wenn Sie eine Zukunft haben will.“ Wie die aussehen kann, zeigte sie anhand praktischer Beispiele aus mehreren deutschen Städten, wozu die digitale Wall in Stuttgart, der Infoterminal in Eckenförde oder die Solar-Bänke mit W-LAN in Bad Wildbad gehören.
Aus der Praxis: Die TI neu gedacht
Katrin Prenzel, Görlitz-Information
Praktisch in die Tiefe ging es dann mit Katrin Prenzel, der Leiterin des Geschäftsbereiches Tourismus von der Touristinformation Görlitz. Das Team der mit der i-Marke zertifizierten TI hatte seinen Service während der Corona-Lockdowns mit Bedacht hinterfragt, Fördergelder akquiriert und einen Komplett-Umbau gestartet. Das Fazit: ein lichtdurchfluteter Raum; statt 600 Flyern werden nur noch 200 mit Görlitzbezug ansprechend präsentiert und digital wurde alles auf den neuesten Stand gebracht. Eine hohe Aufenthaltsqualität erreicht die TI jetzt durch einen magnetischen Stadtplan mit aktuellen Veranstaltungshinweisen und dank digitaler Touchscreens, die spielerisch nach Fahrradtouren, Stadtspaziergängen und Wanderrouten, nach Sehenswürdigkeiten oder Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr abgefragt werden können. Besonders herausfordernd war die Einführung des Digitalprojektes SaTourN von der Tourismus-Marketing-Gesellschaft Sachsen mbH (TMGS).
Die TI authentisch, analog, digital – im Gespräch mit:
Susann Postel, LTV SACHSEN
Nadine Wojcik, TMGS
Katrin Prenzel, Görlitz-Information
Rebecca Schwerdt, dwif-Consulting
Nadine Wojcik, Leiterin Digitales Management bei der TMGS, erklärte SaTourN im Nachgang ausführlich. Es heißt ausgesprochen Sachsen-Tourismus-Netzwerk und ist eines der strategisch wichtigsten Vorhaben im Reiseland. Ziel ist es, sämtliche tourismusrelevante Daten aus den sächsischen Destinationen, etwa zu Gastgebern, Veranstaltungen, Gastronomie, Touren oder Sehenswürdigkeiten, zentral bei der TMGS zu sammeln, zu verknüpfen und auf diese Weise global zugänglich zu machen. An SaTourN können zudem zahlreiche digitale Anwendungen angeschlossen werden, etwa eine Echtzeit-Besucherlenkung, eine Gästeinformation auf dem Smart-TV, digitale Interaktionstafeln vor Tourist-Informationen, Apps oder auch digitale Sprachassistenten. Unterm Strich bedeutet das: Ein Datensatz, viele Ausgabekanäle und eine kollaborative Pflege der Daten, die langfristig Ressourcen in jeder Destination spart, was Nadine Wojcik mit den Worten zusammenfasste: „Wir sind damit als Branche besser miteinander vernetzt als je zuvor und schaffen die Voraussetzung für die fortschreitende Digitalisierung im Reiseland Sachsen.“
Den eher praktischen digitalen Part spielte danach Susann Postel vom Projektteam „Tourismus 360 Grad Digital“ des LTV Sachsen. Dieses Projekt bietet kleinen und mittelständischen Unternehmen vielfältig Hilfestellung bei der hausinternen Digitalisierung. Neben einer möglichen B2B-Beratung informiert z.B. ein regelmäßig im Web stattfindender einstündiger digital-Impuls Interessent*innen zu verschiedenen Themen, während sich beim digital-Dialog eine kleine Gruppe von Teilnehmer*innen zum interaktiven Webinar einfindet.
Daran anknüpfend machte eine Mentimeterumfrage unter dem Fachpublikum deutlich, vor welche digitalen Herausforderungen die TIs sich derzeit gestellt sehen: Touchscreens, Audioguide, digitales Schaufenster, digitale Prozesse uvm.
Diese Herausforderungen und die Impulse des Vormittags wurden anschließend im Gespräch zwischen allen Referentinnen und den Gästen detailliert debattiert – mit dem Ergebnis, dass der Schlüssel zum Erfolg einer TI im analogen wie digitalen Service liegt.
Regionale Wertschöpfung: Das kommt an bei den Gästen!
Rebecca Schwerdt, dwif-Consulting GmbH
Rebecca Schwerdt hob die Vernetzungs- und Kooperationsrolle von Touristinformationen in einer Region hervor. Regionalität und Digitalität, wie sie es nannte, gingen Hand in Hand. Es sei wichtig, die Gäste mit allen Sinnen auf die Destination einzustimmen, wenngleich leckere regionale Lebensmittel die Genießerliste deutlich anführen. Zu den Innovationen zählt beispielsweise ein Proviantomat, ein mit regionalen Produkten gefüllter Automat, der an zentralen Standorten positioniert wird. Ihn nehmen Gäste vielerorts mittlerweile sehr gut an. Denn Reisende wollen sich ihr Urlaubsgefühl nach Hause holen, was ebenso klassisches Merchandising einschließt. Die Referentin verwies auch auf Genusstouren in jedweder Bewegungsform, die sehr gefragt seien. Im Übrigen setzen Gäste in Sachen Service sowohl im ländlichen Raum als auch in der Großstadt dieselben Maßstäbe an.
„Görliwood to go“ – Die Souvenir-Edition für zu Hause
Katrin Prenzel, Görlitz-Information
„Wir wollten kein Gemischtwarenladen sein“, erläuterte Katrin Prenzel in ihrem zweiten Vortrag nach der Mittagspause die gezielte Auswahl regionaler Produkte, die in der Görlitzer TI zum Verkauf stehen. Einzigartige und auch nachhaltige Produkte, die aus Kooperationen mit hiesigen Künstlern und Produzenten resultieren, seien wichtig. Sie kommen neben klassischen Merchandisingartikeln wie Postkarten oder Magneten toll an.
Aus der Praxis: Bin ich von hier oder von da – Alles regional!
Miriam Paulsen, TSCHAU TSCHÜSSI

Miriam Paulsen, die in Leipzig den Laden „Tschau Tschüssi“ betreibt, schloss den Reigen der Referentinnen am Nachmittag. Sie berichtete aus Sicht der Einzelhändlerin, was attraktive Verkaufsprodukte ausmacht. Bei ihr gibt es Geschenke, Karten, Schmuck, Taschen, Bücher und vieles mehr. Dabei setzt Miriam Paulsen auf besonderes Design und kleine Labels. Auch wenn ein Teil ihrer Waren „regional“ ist, benutzt sie den Terminus nicht. Sie spricht mit ihrer Kundschaft lieber über die Künstler, die die Produkte entworfen haben und erzählt so Geschichten, die hinter all den schönen Dingen stecken. Ihr inspirativer Blick über den Tellerrand sowie die innovativen Vortragsinhalte von Rebecca Schwerdt und Katrin Prenzel führten zu einem weiteren Austausch mit allen Teilnehmer*innen.
Sie konnten leider nicht mit dabei sein? Kein Problem, sprechen Sie uns einfach an. Gern stellen wir Ihnen die Handouts der Vorträge zur Verfügung!
















