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Landestourismusverband Sachsen - LTV
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Corona-Kompass Tourismus

Hotline Gastgewerbe & Tourismus
Die Situation durch die Corona-Pandemie stellt unsere Gesellschaft vor unbekannte Herausforderungen.  Unternehmer in der Tourismusbranche sind stark verunsichert. Welche Unterstützungen greifen in dieser besonderen Situation, um die Liquidität des Betriebes zu sichern und das Geschäft zu erhalten? Was gilt jetzt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Branche? In diesem Blog werden den Unternehmen aktuelle Informationen bereitgestellt. Dieses Angebot aktualisieren wir regelmäßig → www.ltv-sachsen.de/coronakompass

Sollten Sie darüber hinausgehende Fragen haben, wenden Sie sich bitte an die Hotline Gastgewerbe & Tourismus Tel. 0351 - 840 322 50, die MitarbeiterInnen und BegleiterInnen sind täglich von 8.00 - 18.00 Uhr für Sie erreichbar.

Welche Probleme und Erfahrungen gibt es, wo klemmt’s, wer hat heute schon gute Ideen für die Zukunft? Nutzen Sie dazu bitte direkt die neu eingerichtete Adresse corona@ltv-sachsen.de.
 

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Symbolbild HilfspaketBildrechte: © AdobeStock_284567550
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Re-Vision und Re-Sizing. Wie wir jetzt die Post-Corona-Welt neu entwerfen müssen

Mandy Eibenstein | 24.03.2020

Wie sieht die Post-Corona-Welt aus? Der eine wird dystopische Szenarien entwerfen mit einem Shutdown des Kapitalismus, die andere skaliert im Geiste ihre in der Krise geborene Start-up-Idee, ein dritter träumt von digitalen Selbstversorger-Communities, in denen sich alle lieb haben und dezentral versorgen. Zukunft freilich ist nie einfach, sondern vielfach.

Eine Gesellschaft braucht – dies ist ein anthropologisches Grundgesetz – auf jeden Fall kraftvolle Narrative, positive mitreißende Bilder, um sich selbst zu finden (oder sich wieder neu zu erfinden). Wie wollen wir morgen (zusammen) leben und wirtschaften? Welche Erzählung geben wir uns als Gesellschaft für die Zukunft, welche Möglichkeiten wollen wir ergreifen? Diese Fragen müssen wir jetzt beantworten – mutig und verantwortungsvoll, denn die Bilder, die wir in die Welt setzen, gehen viral – so wie die Ängste und die Hoffnungen, die eine mit völliger Unsicherheit kontaminierte Gesellschaft umtreiben

Und gerade jetzt, in dieser Zeit der Isolation, des Social Distancing merken wir: wir agieren meist in unseren eigenen Blasen, in unseren jeweiligen sozialen Bubbles, diese konstituieren mehr denn je unsere „Wirklichkeit“ oder die Vorstellung davon, eine Customized Reality. Dabei ist diese Wirklichkeit wie nie zuvor voller Ambiguitäten, voller Gleichzeitigkeiten des Ungleichzeitigen: Die einen organisieren empathisch Nachbarschaftshilfen wie Kathrin aus Top 18 („Wenn Sie Hilfe brauchen oder jemanden zum Einkaufen etc., rufen Sie mich gerne an“), die anderen verbreiten immer noch Marketing-Chichi in ihren sozialen Netzen („Wir sind mit unseren supertollen digitalen Beratungstools 24/7 für Sie da, mit unseren einzigartigen Video Call-Systemen erhöhen wir Ihre kommunikative Performance“). Postpubertäre Bobo-Kinder feiern Corona-Parties in Berliner Parks, während kreative Start-ups an innovativen smarten Lösungen basteln, die unsere Gesellschaft gerade dringend braucht – ja, und die wahren Helden des Alltags von der Kassiererin bis zur Krankenschwester (Achtung: vorwiegend weiblich!) halten das Notwendigste am Laufen.

Wir haben in den letzten Jahrzehnten schon einige Schwarze Schwäne vorbeifliegen und landen sehen (Fukushima, Finanzkrise usf.), doch jetzt ist einer frontal gegen unsere (gesellschaftliche wie individuelle) Großhirnrinde geprallt: Corona. Wir müssen jetzt, gerade in dieser verordneten sozialen Distanz, aufpassen, dass wir als Gesellschaft – aus lauter Sorge und/oder Eigenschutz – die ohnehin starken Bruchlinien zwischen denen „da drinnen“ und denen „da draußen“ nicht weiter vergrößern, wir müssen diese Angst vor dem Anderen, vor der Ungewissheit des weiteren Verlaufs der Pandemie und der wirtschaftlichen Auswirkungen usf. aushalten. „Ohne die Anderen kein Selbst, ohne Ambiguität keine Identität, ohne Verzweiflung keine Hoffnung, ohne Anfang kein Ende. Dazwischen ist die Angst“ (Heinz Bude).

Da die künftige Entwicklung von epidemiologischen Variablen abhängt (und dem Zeitpunkt der Einführung eines Medikaments/Impfstoffs gegen das Virus), die wir nur bedingt beeinflussen können (#flattenthecurve), kann niemand seriös prognostizieren, wie lange der Ausnahmezustand anhalten wird, ob die Krise im Spätsommer vorbei sein wird oder erst in einem Jahr. Virologen – wunderbar besonnen Deutschlands „Chef-Virologe“ Christian Drosten, https://bit.ly/2WuhObv  – und Volkswirte revidieren ihre Prognosemodelle im Stundentakt): die EU-Kommission geht derzeit von einer Rezession à la 2009 aus (damals sank das BIP in der EU um 4,3%), andere Institute greifen tief in die Depressions-Kiste, so spricht das Ifo von einer Schrumpfung der deutschen Wirtschaft im Worst Case (dreimonatiger Teilstillstand) von 20 – in Worten: zwanzig – Prozent. Closed Shop.

Whatever it takes.

Es gibt jetzt aus meiner Sicht zwei Handlungsstränge:
  • jene des Transits (wie bringen wir Gesellschaft und Wirtschaft bestmöglich durch die Krise)
  • jene des Re-Openings (mit welchem Spirit ordnen wir die Post-Corona-Gesellschaft neu, wie wollen wir künftig leben und wirtschaften?).
Für die Transit-Zeit bis zum Ende der Krise sind dringend staatliche Umverteilungsmechanismen gefordert. Das Kurzarbeitergeld ist so ein erster Schritt, die „unbegrenzten“ Kredite wiederum erreichen viele durch den Shutdown flachgelegte KMU’s nicht – wer nimmt einen Kredit  auf, den er später ohnehin nicht zurückzahlen kann? Stattdessen sollte jetzt – wann wenn nicht in dieser Krise – temporär z.B. ein Grundeinkommen eingeführt werden (wie immer man dieses dann nennt), um möglichst viele kleine Selbständige / Arbeitslose etc. würdevoll über die nächsten Monate zu bringen.

Machen wir uns nichts vor – es handelt sich hier nicht um eine Krise, die bis zum Sommer durchgestanden sein wird und dann fahren wieder alle fröhlich mit Helikoptergeld auf Urlaub. Wir sind mit voller Wucht hinein katapultiert in eine gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Disruption. Ein Neustart nach der Krise erfordert jetzt ein grundlegendes Umdenken, eine Re-Vision und ein Re-Sizing. Und deshalb gilt es jetzt einen neuen Gesellschaftsvertrag auszuhandeln und dabei zu überlegen:
  • Was stärkt unsere Resilienz? Welche Werte und Ressourcen setzen wir dafür ein? Wie sieht ein wünschenswertes soziales Miteinander aus, wie nachhaltige Lebensqualität von morgen?
  • Wie virtuell wollen wir unsere Gesellschaft gestalten (Corona wird schließlich die digitale Transformation aller Branchen radikal beschleunigen)? Wie können wir mit Predictive Analytics künftig Pandemien und Krisen verhindern? Wie setzen wir Künstliche Intelligenz zum Wohle aller ein, ohne in einer Big Data-Tracking-Diktatur zu landen?
  • Welche Wachstumslogik wollen wir? Wie konsequent verfolgen wir gerade jetzt den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft? Wie können wir uns unabhängig machen von globalen Lieferketten? Wie konsequent verfolgen wir eine Rück-Verlagerung der Produktion an europäische Standorte durch intensivierte Robotik und Automatisierung, ein Insourcing der Schlüsselindustrien (Automotive, Pharma!)? Wollen wir eine De-Globalisierung light, eine smarte europäische Regionalisierung, ein geeintes Europa oder einen abschottenden Nationalismus?
Viele Fragen. Viel Zeit zum Reflektieren. Viel Zeit, etwas vollkommen Neues auszuprobieren. Zum Beispiel: das neue (smarte) Leben auf dem Land… Aber was wirklich wichtig ist, lässt sich einfach überdenken: Was werden wir – nach der Krise – am meisten in diesen Zeiten des Social Distancing vermisst haben?

Quelle: Andreas Reiter, ZTB Zukunftsbüro, Beitrag veröffentlicht am 21.03.2020


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