Landestourismusverband Sachsen - LTV
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Aktuelles

13.06.2016 | News  | Qualität

Die Schönheit des Fremden

Ein Rückblick auf den Sächsischen Qualitätstag 2016

Der Blick von der Terrasse des WELCOME Parkhotel Meißen ist einfach großartig – die historische Meißner Altstadt, Schloss Albrechtsburg. Das perfekte Motiv für ein Gruppenfoto. Die Gäste des 13. Sächsischen Qualitätstag 2016 haben alle eine kleine Länderfahne in der Hand: China, Schweiz, Niederlande, USA… Alles Länder, die gerne zu Besuch nach Sachsen kommen. Mittendrin im Fotoszenario LTV-Direktor Manfred Böhme. Auf sein Kommando „Und jetzt sagt mal alle Herzlich Willkommen, Welcome!“, schwenken und winken die Touristiker mit den verschiedenen Länder-Fahnen. Die freundlichen Willkommensgrüße auf dem Sächsischen Qualitätstag sind Ernst gemeint – nicht nur fürs Gruppenfoto. Fakt ist: Immer mehr ausländische Gäste kommen nach Sachsen. Gezielt stand daher der diesjährige Qualitätstag unter dem Motto "Sachsen. Land von Welt". 130 Touristikfachleute aus Sachsen sind zur Fachtagung am 9. Juni 2016 angereist und beweisen mit einer ausgebuchten Veranstaltung - das Thema treibt um.

Wie viel Welt steckt in Sachsen?
80 Millionen ausländische Gäste sind 2015 nach Deutschland gekommen. Davon 2,4 Prozent nach Sachsen. Das klingt zunächst nicht viel. Aber: Die Zahl der ausländische Gäste in Sachsen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen und wird es, wenn der Trend weitergeht, auch weiterhin. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Gastgeber: Neue Herausforderungen kommen auf sie zu. 

Um herauszufinden, wie viel Welt eigentlich in Sachsen steckt, bot das Tagungsprogramm viel Input. Redebeiträge von Vertretern aus Politik und Wirtschaft mischen sich mit persönlichen Erfahrungen aus der Tourismusbranche. Schon die Begrüßungsworte von Dr. Detlef Hamann, Vizepräsident des LTV SACHSEN und Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, sowie von Stefan Brangs, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) machen deutlich, worauf es hauptsächlich ankommt: Ein Land von Welt lebt von Gastfreundschaft und die wiederum ist die Grundlage von Tourismus – ein Wirtschaftsfaktor, den Sachsen dringend braucht. 

Zwar liegt Sachsen auf Platz 2 der beliebtesten Reiseziele Ostdeutschlands, in puncto medialer Aufmerksamkeit aufgrund von fremdenfeindlichen Übergriffen steht es aber leider auf Platz 1 der Negativ-Liste einiger Medien. Dass man vor dieser Tatsache nicht die Augen verschließen sollte, betont auch Dr. Hamann in seinem Redebeitrag. Er lobte die Initiative des LTV SACHSEN: Der Dialog der Gastgeber, den der Verband gemeinsam mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SlpB) und den regionalen Tourismusverbänden ins Leben gerufen hat, sei ein wichtiger Beitrag  zur Kommunikation untereinander, aber auch gegenüber „Gästen“ und „Fremden“.  

„Das Fremde kann uns durch Schönheit verzaubern“
Eine deutliche Positionierung wünscht sich Dr. Justus H. Ulbricht. Der Historiker und Autor war selbst bei den Dialogrunden dabei und sprach beim Sächsischen Qualitätstag darüber, was es heißt, ein Land von Welt zu sein. Dazu gehört in erster Linie interkulturelle Kompetenz. Die entsteht in dem Wissen um die sächsische Kulturgeschichte ebenso wie im Wissen um die eigene Herkunft. In seinem Redebeitrag klärt er die Begriffe Heimat, Europa und Identität. Was macht einen typischen Sachsen aus? Welche Werte vertreten wir? Wer bin ich als Einzelner? Was ist typisch für meine Nation? Nur wer diese Fragen für sich beantworten kann, geht neugierig und selbstbewusst auf andere zu und lässt sich von der Schönheit des Fremden verzaubern. All das ist, laut Ulbricht, die Grundlage für Gastfreundschaft. Die Herausforderung für die Touristikfachleute ist es, diese zu vermitteln.

Wie viele ausländische Gäste es tatsächlich nach Sachsen zieht und welche Interessen sie haben, präsentierte Matthias Gilbrich, Leiter der Marktforschung und Unternehmensentwicklung der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH (TMGS). Sachsen steht wie kaum ein anderes Bundesland für Kunst und Kultur. Die sächsische Kulturgeschichte in den Fokus zu rücken, ist daher nur konsequent und wird mit Interesse - auch aus dem Ausland - belohnt. Sachsen liegt bei den Ankünften ausländischer Gäste auf Platz 7 im bundesdeutschen Vergleich. Da sei durchaus noch Luft nach oben, so Gilbrich. Die meisten Gäste kommen dabei aus den Niederlanden, dicht gefolgt von der Schweiz, USA und Österreich.  

Gastfreundschaft bedeutet Qualität
Damit Sachsen auch in Zukunft auf steigende Zahlen ausländischer Gäste blicken kann, muss die sächsische Tourismusbranche aber weiterhin an sich arbeiten. Gelebte Gastfreundschaft ist neben Qualität und Top-Service Grundvoraussetzung. Auch gehört ein sicherer und selbstverständlicher Umgang mit modernen Medien dazu. Immerhin haben sächsische Hotels und Pensionen im vergangenen Jahr 290.000 Bewertungen auf unterschiedlichen Portalen erhalten. Leider hat das Ergebnis auch eine Kehrseite: Für viele Betriebe in Sachsen ist der Umgang mit Onlinebewertungen jedoch noch Neuland. Nur jede vierte Bewertung wird in Sachsen beantwortet, rund 70 Prozent der sächsischen Betriebe beschäftigen sich bisher überhaupt nicht mit dem Thema. Genau das will der LTV SACHSEN ändern und hat 2015 den Wettbewerb „Gästeliebling“ initiiert.
Einer, der Onlinebewertungen bereits geschickt für sein Haus zu nutzen weiß, ist Uwe Krebs von der Pension Mittelndorfer Mühle im Kirnitzschtal. Mit einer Antwortquote von 96 Prozent reagiert er auf nahezu jede Gästekommentar. Vorbildlich! Auch kann er in den Kategorien Servicekompetenz und Gesamteindruck punkten. Kein Wunder also, dass die Pension zum Gästeliebling 2016 gekürt wurde. Krebs schöpft die Chancen der Digitalisierung aus. Gleichzeitig misst er Qualität und Service eine hohe Bedeutung bei. 
 
Gerade dort, wo der Gast mit Serviceleistungen in Kontakt kommt oder wo innovative Ideen gefragt sind, spielt der Faktor Mensch eine entscheidende Rolle. Mit der Initiative ServiceQualität Deutschland gibt der LTV SACHSEN Unternehmen und ihren Mitarbeitern ein Instrument an die Hand, den täglichen Herausforderungen zu begegnen. Über 10.000 Serviceideen konnten so bereits seit Beginn der Initiative 2003 in die Tat umgesetzt werden. Zum 13. Sächsischen Qualitätstag wurden weitere fünf Betriebe mit dem Quaitätssiegel ausgezeichnet – das Elldus Resort in Oberwiesental, das Hotel Saigerhütte in Olbernhau, der Tourismusverband Vogtland e.V., die Sport- und Marketingagentur Härtel sowie das Hotel Dresdner Hof in Zittau

Das Stichwort des Tages: Interkulturelle Kompetenz
Um die Erwartungen der ausländischen Gäste bei ihrem Aufenthalt in Sachsen zu erfüllen, muss man seine ausländischen Gäste kennen. Wer wüsste das besser als Ron Spies, General Manager des GÜNNEWIG Hotels Chemnitzer Hof. Nach über 48 Jahren Hotelerfahrung in den USA, Spanien und Großbritannien, ist er Ende 2013 in der „Weltmetropole Chemnitz“ angekommen, wie er selbst sagt. Spies weiß genau, woher seine ausländischen Gäste kommen und wie sie ticken. Er empfiehlt deswegen seinen Touristiker-Kollegen, sich über die kulturellen Besonderheiten der Gäste genau zu informieren und ihnen mit Respekt zu begegnen. Mit Anekdoten aus der Praxis erklärt er etwa, dass chinesische Gäste nicht unbedingt in Zimmern mit der Nummer 4 nächtigen möchten und Wert auf schnellen Check-in und Check-out legen. Sein Credo: Der Erfolg eines Hotels steht und fällt mit dem Personal. Deshalb ist es so wichtig, die Mitarbeiter für andere Lebensweisen, Bedürfnisse und Sprachen zu sensibilisieren.

Ganz ähnliches weiß auch Dr. Tillmann Blaschke zu berichten. Der Geschäftsführer der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH ist in Südafrika geboren und aufgewachsen und hat in seiner Laufbahn schon oft interkulturelle Kompetenz erfahren. Er hat gelernt, dass man beim Umgang mit ausländischen Geschäftspartnern und Gästen vieles positiv beeinflussen kann, wenn man nur eigene Barrieren überwindet. Wer möchte, dass Gäste aus dem Ausland gern nach Sachsen kommen, sollte sie und ihre Lebensweise wertschätzen. 

Eine Einschätzung, die auch Seema Prakash und Karen Reimann teilen. Die zwei Frauen, eine aus Indien, die andere aus den Vereinigten Staaten, kennen die andere Perspektive. Sie kamen beide in den 2000ern als Ausländerinnen nach Sachsen und arbeiten heute als Gästeführerinnen in Dresden. Täglich treffen sie auf ausländische Gäste und erfahren aus erster Hand, wie willkommen diese sich in Sachsen fühlen. Beide berichten, dass besonders die Sprache eine Hürde im Umgang miteinander darstellt. Ihrer Erfahrung nach sind Unsicherheit und Angst vor Blamage oft der Grund, wenn Menschen nicht mit ausländischen Gästen sprechen. 

Damit diese Barriere im professionellen Umfeld gar nicht erst aufkommt, ist gut geschultes Personal so wichtig. Für diejenigen, die lieber gleich ausländische Fachkräfte einstellen möchten, hat Kathleen Spanger, Justitiarin der IHK Chemnitz beim Sächsischen Qualitätstag 2016 die nötigen Informationen parat. Sie klärt über die verschiedenen Statusarten von Flüchtlingen auf und woran Arbeitgeber erkennen, ob jemand arbeiten darf.

Zurück auf der Terrasse des Welcome Parkhotel Meißen. Noch ein Foto – diesmal mit dem Orga-Team und den Gastrednern des 13. Sächsischen Qualitätstag. Glückliche Gesichter, viele spannende Gespräche und neue Impulse für die weitere Tourismusarbeit. Das Thema Gastfreundschaft steht hoch im Kurs. Gerade jetzt. 

Wer nicht dabei sein konnte, für den lohnt sich ein Blick in die Fotogalerie sowie in den Blog. Alle Vorträge und Präsentationen der Referenten stehen ab sofort auf der Veranstaltungswebsite unter www.ltv-sachsen.de/qualitag zum Download zur Verfügung. 
 
Fotos vom Sächsischen Qualitätstag 2016
 
 
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